Schwarz-Weiss-Fotografie richtig angewandt

Während bis in die 1930er-Jahre Farbfotografie für kommerzielle Zwecke so gut wie gar nicht zur Verfügung stand und sich Fotografen daher nur monochrom, das heisst, in unterschiedlichen Graustufen ausdrücken konnten, ist die Anwendung von Schwarz-Weiss heute zumeist ein bewusst eingesetztes Stilmittel. Schwarz-Weiss wird häufig dann gewählt, wenn die Dramaturgie verstärkt oder ein Motiv in den Vordergrund gestellt werden soll – vor allem dann, wenn der Hintergrund unruhig ist und sich aus unterschiedlichen Farben und/oder Texturen zusammensetzt.

In einer Welt, in der wir mit einer zunehmenden Flut an Bildern und Informationen bedient werden, setzen immer mehr Fotografen dieses Stilmittel aber auch ganz bewusst ein, um sich von dem Kaleidoskop an Farben, das in den verschiedenen Medien präsentiert wird, abzuheben. Schwarz-Weiss-Fotografie ist auf dem Vormarsch und wird von zahlreichen Profi- und Hobbyfotografen genutzt. Wenn auch Sie gerne auf Schwarz-Weiss umsteigen oder damit experimentieren möchten, lohnt es sich, einige Tipps zu beachten, die einer Aufnahme in Schwarz-Weiss zu mehr Aussagekraft und Tiefe verhelfen können.

Arbeiten mit Licht

Bei Schwarz-Weiss-Aufnahmen verändert sich im Gegensatz zur Farbfotografie die Wahrnehmung und gewisse Stilelemente wie Linien, Texturen und Kontraste, aber auch und vor allem Licht und Schatten treten in den Vordergrund. Kein fotografischer Gestaltungsstil lebt so sehr von perfekt inszeniertem Licht wie der Schwarz-Weiss-Effekt. Noch mehr als in der Farbfotografie sollten Sie daher bei Inszenierungen in Schwarz-Weiss stets den Lichteinfall (Gegenlicht, starke Kontraste etc.) beachten und dem gewünschten Ergebnis entsprechend nutzen. Da nur Weiss, Schwarz und die dazwischenliegenden Grautöne abgebildet werden, ist es wichtig, stets auf einen ausgewogenen Hell-Dunkel-Anteil ohne allzu grosse Kontraste zu achten. Seien Sie also stets vorsichtig mit extrem hellen oder dunklen Bereichen, denn in diesen können wichtige Informationen verloren gehen, die Sie auch im Nachhinein bei der Bildbearbeitung nicht mehr herausholen können. Möchten Sie starke Kontraste erzielen, dann kann es Sinn machen, im Mittagslicht oder mit starkem, direktem Studiolicht zu fotografieren, andernfalls sollten Sie davon allerdings absehen und eher im Morgen- oder Abendlicht fotografieren. Dasselbe gilt für Gegenlicht: Dieses sollte nur eingesetzt werden, wenn Sie Silhouetten erreichen wollen.

Schwarz-Weiss in der Porträtfotografie

Während sich monochrom für verschiedene Genres, wie zum Beispiel die Reisefotografie, nur bedingt eignet, wird in der Porträtfotografie Schwarz-Weiss gerne als Stilmittel eingesetzt – es rückt die Person in den Mittelpunkt und vermag, Emotionen sowie Gesichtszüge zu unterstreichen. Gesichter, die in Schwarz-Weiss abgelichtet wurden, verfügen über eine teils unglaubliche Ausdruckskraft, die in diesem Genre nicht zuletzt davon abhängt, wie gut der Fotograf mit seinem Gegenüber umgehen und für eine vertraute Stimmung sorgen kann. Nur wenn der porträtierte Mensch sich wohl fühlt, kann er sich fallen lassen und wirkt natürlich und entspannt. Sorgen Sie also für eine lockere Atmosphäre und fokussieren Sie bei Porträts stets auf die Augen, denn diese drücken mehr aus als das restliche Gesicht zusammengenommen und sollten daher ins Zentrum des Bildes gerückt werden.

Fotografen, die ihre Porträts prinzipiell monochrom inszenieren und auch in anderen Genres abseits des Farbigen unterwegs sind, sind Andreas H. Bitesnich (http://www.bitesnich.com/gallery/) und Lee Jeffries (http://leejeffries.500px.com/). Jeffries ist eher durch Zufall zur Fotografie gekommen und setzt die Effekte von Schwarz-Weiss gekonnt ein, um Obdachlose drastisch in Szene zu setzen.

Effekte gekonnt nutzen

Aber nicht nur in der Porträtfotografie, auch in anderen Stilrichtungen kann richtig eingesetzte Schwarz-Weiss-Fotografie das Motiv in den Vordergrund rücken und für dramatische Resultate sorgen. Sogenannte „unruhige“ Hintergründe – das heisst, ein Hintergrund, der sich aus vielen verschiedenen Farben und unterschiedlichen Strukturen zusammensetzt – können auf einmal viel ruhiger wirken, da sie anstatt aus zahlreichen unterschiedlichen Farben aus zahlreichen Graustufen zusammengesetzt sind.

Dass beispielsweise eine Landschaftsaufnahme nicht zwingend von den Farben der Natur lebt, bewies bereits der legendäre Landschaftsfotograf Ansel Adams, der das zur Verfügung stehende Tageslicht wie kaum ein anderer nutzte. Er inszenierte seine Aufnahmen generell in Schwarz-Weiss und spielte im Nachhinein in der Dunkelkammer mit Belichtungszeiten und Filtern, um die gewünschten Effekte zu erreichen oder zu verstärken. Das Negativ war für ihn sozusagen nur eine Zwischenstufe auf dem Weg zum Endprodukt – eine Betrachtungsweise, die auch hervorragend auf die Bearbeitung digitaler Schwarz-Weiss-Bilder umgelegt werden.

Bildbearbeitung im Nachhinein

Um eine ästhetisch ansprechende Schwarz-Weiss-Aufnahme mit Tiefe zu schaffen, wird zumeist im Nachhinein – also wenn das Bild bereits im Kasten ist – an den Kontrasten und Graustufen gearbeitet. Generell empfiehlt es sich daher, in RAW zu fotografieren, denn das lässt die grösstmögliche Spannbreite beim nachträglichen Bearbeiten der Bilder zu. Es macht Sinn, die Einstellungen für RAW in Farbe zu belassen, dann können Sie später immer noch entscheiden, ob Sie Ihre Aufnahme farbig oder tatsächlich in Schwarz-Weiss entwickeln möchten. Wenn Sie Ihre JPEG-Einstellung dabei auf Schwarz-Weiss setzen, bekommen Sie zudem bereits eine Vorschau auf das Schwarz-Weiss-Bild und können das endgültige Ergebnis dann in Photoshop bearbeiten. Sollte Ihre Kamera keine RAW-Einstellung haben, empfiehlt es sich, die Einstellungen auf farbig zu setzen. Sie können viel mehr aus dem Motiv herausholen, wenn Sie Farbe im Nachhinein in Schwarz-Weiss umwandeln.

Aber selbst wenn Sie mit der Digitalkamera sofort in Schwarz-Weiss fotografieren, lohnt sich eine Nachbearbeitung, bei der Sie mit ein paar einfachen Justierungen der Regler verblüffende Effekte erzielen können.

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