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Bildaufbau – Kompositionen sehen lernen

Bildaufbau – Kompositionen sehen lernen

Wie schaffen wir Bilder, die uns hineinziehen? Ein wichtiger Aspekt davon ist sicherlich die Bildkomposition. Unter der Bildkomposition versteht man die Anordnung respektive Position der verschiedenen Bildteile auf der Fotografie. Persönlich halte ich nicht sehr viel von klaren Regeln wie der goldene Schnitt oder die Drittel-Regel. Bilder sind oft viel komplexer und erfordern mehr, als ein Bildelement an die «richtige» Position zu bringen. Trotzdem sind die Regeln sicherlich hilfreich, wenn man sich neu herausfordern will.

In diesem Blog Beitrag werde ich hingegen auf spezifische Bilder und die Herangehensweisen genauer eingehen. So bekommt ihr einen Eindruck über die gestalterischen Möglichkeiten und wie ich Entscheidungen in der Bildkomposition treffe.

layers
layers komposition

Beginnen wir doch mal mit einer eher simplen Bildkomposition. Bei dem Schneebild war mein Ziel, die unterschiedlichen Gletscher- und Gesteinshügel voneinander zu trennen. Dabei wartete ich auf das richtige Licht, bis sich die Kanten zueinander am meisten kontrastierten. So entsteht eine grafische Unterteilung vom Vordergrund bis zum Hintergrund. Das Auge wird von rechts vorne nach oben geleitet, wo es dann im Zick-Zack bis zum Hintergrund wandert. Einerseits ermöglicht hier die Unterteilung eine Vereinfachung der doch teilweise komplexen Bildteile, andererseits betont sie die verschiedenen Texturen und Oberflächen. Links und rechts sowie oben und unten sind die Bildteile mit ihrer Komplexität ausgewogen verteilt und sorgen so für Harmonie.

Welchen Bildteilen gebe ich wieviel Raum?

bergsee
bergsee komposition

Komplexer wird es, wenn noch mehr Raum im Bild sichtbar wird. In einem sehr weitwinkligen Bild ist es besonders anspruchsvoll, das Bild klar und deutlich zu gestalten und auf das Hauptsujet hinzuweisen. In diesem Bergseebild habe ich versucht, den geschmolzenen Bach so zu nutzen, dass er von den Ecken her diagonal ins Bild hineinführt. Die leading lines ermöglichen dem Auge, ins Zentrum des Sees nach hinten zu wandern. Dabei ist der markante Schluss des geschmolzenen Schnees direkt unter den mächtigen Berner Alpen und deren Spiegelung – das Hauptsujet des Bildes. Darauf galt es die Aufmerksamkeit zu lenken.

Was und wo ist mein Hauptsujet?

berge im nebel
berge im nebel komposition

Wenn zu viel auf dem Bild da ist, gibt es die gestalterische Möglichkeit, einzelne Bildelemente durch die Atmosphäre zu verdecken und so das Bild zu vereinfachen. Diese Bildteile nennen sich negative space. Dabei geht es darum, einen Bildteil mit «Leere» zu füllen, wo sich das Auge ausruhen kann. Dies verstärkt auch den Fokus auf das Hauptsujet. Hier habe ich den Nebel als negative space genutzt, um das Bild nicht zu überladen. Die Diagonalen der Bergflanken habe ich durchbrochen und so nur im oberen Bildteil die Schichtungen der Ebenen in die Ferne zugelassen. Die überkreuzenden Diagonalen ermöglichen es, noch mehr Dramatik in den Aufbau zu bringen.

Welche Bildteile decke ich ab oder zeige ich nicht?

baum
baum komposition

In diesem Beispiel eines Baumes in Felsklippen verstärke ich nochmals die Isolation des Subjekts. Alle Linien ziehen direkt oder zumindest parallel in Richtung des Baumes hinauf und ermöglichen so den klaren Fokus darauf. Auch hier benötigen wir eine deutliche Unterteilung der Bildebenen. So ist die vordere Ebene stark strukturiert, kontrastiert und eher dunkel, die hintere jedoch weich und hell.

Wie trenne ich Bildteile voneinander ab?

im Gletscher
im Gletscher komposition

Anders als in den anderen Bildern nimmt hier das Sujet fast den kompletten Bildraum ein. Der Gletscher umringt den Betrachter und die Enge der Höhle wird spürbar. Dies gelingt durch die Betonung der Räumlichkeit, welche die Bildzacken am oberen Bildrand noch verstärken und näherbringen. Das Licht am Ende ist schlussendlich der Fokus des Bildes (helle Bildteile ziehen das Auge auf sich) – obwohl es keine Bildinformation trägt. Hier geht es nicht um einen kleinen Bildteil und die Aufmerksamkeit darauf, sondern um das Umsehen im Raum selbst.

Welche Rolle spielt der Bildraum?

gletscher
gletscher komposition

Als letzte Komposition zeige ich euch eine Ansicht auf einen Gletscher. Dabei habe ich beim Fotografieren darauf geachtet, möglichst viel von der Räumlichkeit aus dem Bild zu nehmen, um die Risse zu betonen. Zwei parallele schräge Linien grenzen den Bildraum mit den wichtigen Bildelementen ein. Diese Werden dann durch die starken Vertikalen der Risse durchbrochen. So betont sich die Spannung im Eis und die Tiefe der Risse.

Kann und will ich die Komposition vereinfachen?

Fazit: Die Antwort oder ein Rezept für den perfekten Bildaufbau gibt es nicht. Jedoch fragt man sich am besten, was das Hauptsujet des Bildes ist und wie der oder die Betrachtende Person darauf hingeführt oder davon weggeführt wird. Viele der kompositorischen Fragen muss man sich direkt beim Fotografieren stellen. Wo sind welche Bildteile? Warum gehört etwas aufs Bild und etwas anderes nicht? Was decke ich sogar ab oder lasse ich weg? Wie kann mir die Atmosphäre und Stimmung helfen?

Je mehr wahrgenommen wird und je mehr intuitiv abläuft, desto intensiver kann gestalterisch gearbeitet werden. Wie so vieles im Leben, ist es eine Frage der Aufmerksamkeit.

Ich hoffe meine Tipps helfen dir weiter und bringen dir Inspiration für viele interessante Bilder. Viel Spass!

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Profil:

Andri Laukas ist Künstler und Lehrer aus der Schweiz. Mit einer Vielfalt von künstlerischen Interventionen schafft er Dialogräume für unsere eigenen Erfahrungen der Welt. Oftmals verwendet er Irritationen, um die Betrachtenden auf neue Wege des Suchens zu schicken. Er gibt auch Workshops, beispielsweise in Landschaftsfotografie.

www.andrilaukas.com/

Instagram: https://www.instagram.com/andrilaukas/

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