Emil Schulthess - an inspiring Swiss photographer

Midnight Sun, Hekkingen, Norway, June 1950

Emil Schulthess - an inspiring Swiss photographer

Globetrotter and explorer

I first saw the fascinating panorama of the midnight sun rising and sinking poetically on the horizon in my schoolbook for geography while I was a child. Many times over the years, in various popular scientific journals, I have come across this impressive photo series from 1950 in Norway – without knowing who had actually created it. So during the preparation of this text, I came across this 24-part photo series like an old acquaintance whose name one does not know, but whose reappearance produces a familiar feeling. Now the puzzle was finally solved for me: the panorama's creator is the Swiss photographer Emil Schulthess. For me, the continual recurrence of the motif is an indicator that this winged altar of the sun god Helios is definitely part of the collective visual memory. In this panorama we encounter a stylistic triad which runs through the photographer's entire oeuvre: the aesthetic, the scientific, and the emotional.

Potemkinsche Treppe, Odessa, Ukraine, 1968
Sonnenuntergang, Sepulveda-Boulevard, Los Angeles, Kalifornien, 1953
Harbin, China, 1964/65
Expedition «Deep Freeze IV», Antarktis, 1959

Abenteurer, Wissenschaftler und Künstler

Auf den Spuren von Entdeckern wie dem Antarktispionier Robert Scott hat sich der 1913 geborene Schweizer Fotograf Emil Schulthess auf viele Reisen in die letzten Winkel der Erde begeben. Angetrieben von der Motivation, die letzten weissen Flecken auf der Landkarte ins Licht zu holen.

Erste Reisen führten Emil Schulthess in den 1950er Jahren nach Afrika und in die USA, später folgten Ziele in Asien und Südamerika sowie die Teilnahme an einer Expedition der US Navy in die Antarktis. Viele können es sich im Zeitalter von satellitengestützter Kartografie gar nicht mehr vorstellen, aber es gibt sie auch heute noch - die Terra incognita. Nicht nur an Land, sondern insbesondere im Meer. Sind doch etwa 70% der Erde von Wasser bedeckt ein Grossteil davon weiterhin unerforscht.

Noch immer werden nahezu täglich neue Landstriche und Unterwasserwelten gefunden, ganz zu Schweigen von Tierarten, von denen nach neueren Studien noch ca. 86 % unentdeckt sind. Das, was für uns heute gilt, galt ergo für den 1996 verstorbenen Fotografen noch vielmehr.

Emil Schulthess war ein Abenteurer, dabei immer Wissenschaftler, aber auch Künstler. Wie jeder Fotograf war er fasziniert vom Licht. Schulthess jedoch pflegte nahezu eine Obsession mit dessen natürlicher Quelle: der Sonne. Ob nun sie selbst das Motiv ist oder nur ihr Strahlen, mit Vorliebe setzt er den Feuerball als Stilmittel ein.

Seien es Autos, die in Los Angeles in einem roten Lichtmeer der untergehenden Sonne geisterhaft verschwinden oder die Halos und farbigen Brechungen in den Eiskristallen der Antarktis Schulthess war ein begnadeter Lichtfänger. Dabei überzeugt der gebürtige Zürcher immer mit gelungenen Bildkompositionen. Dies mag auch seiner Ausbildung als Grafiker geschuldet sein. Seine fotografischen Grundkenntnisse erlangte er wiederum später als Hospitant in Hans Finslers Fotoklasse.

Sein unbändiges Interesse an der Welt mit ihrer Natur und den darin lebenden Tieren und Menschen, ist mit meisterhafter Lebendigkeit eingefangen. Neben diversen Bildbänden sind es hauptsächlich seine Veröffentlichungen in der legendären Schweizer Kulturzeitschrift „DU“, zu deren Gründungsredaktion er gehörte, die ihn bekannt machten und ihm ein Forum für seine Bildreportagen aus aller Welt boten.

Canal Street, New Orleans, Louisiana, 1953

Canal Street, New Orleans, Louisiana, 1953

Das technische Auge des Emil Schulthess

Schulthess wird gerne als technikversessener Tüftler bezeichnet. Zeitlebens hegte er eine Faszination für spezielle Kameras sowie ausgeklügelte optische Einrichtungen Marke Eigenbau. Insbesondere für seine kreisförmigen Aufnahmen, die mit einem Fisheye-Objektiv entstanden sind, als auch für seine Fotopanoramen erlangte er Bekanntheit.

Hervorzuheben ist hierbei sein 360-Grad-Rundbild Top of Switzerland, das für die Weltausstellung 1970 in Osaka entstand. Zudem gilt Schulthess als Pionier der Farbfotografie mit künstlerischem Flair. Dabei ging es ihm aber stets weniger um den persönlichen Ausdruck in seinen Bildern als um die wissenschaftlich akribische Dokumentation.

Emil Schulthess Fotografien 1950-1990

Herausgegeben von der Fotostiftung Schweiz. Mit einer ausführlichen Biografie von Alexis Schwarzenbach und einem Vorwort von Martin Gasser, Limmat Verlag Zürich, 296 Seiten, 173 Abbildungen, vierfarbig, Duplex, gebunden.

Erhältlich über: www.fotostiftung.ch

Alle Bilder © Emil Schulthess / Fotostiftung Schweiz / ProLitteris

Similar Articles