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Einen geschlossenen Raum fotografisch festhalten

Einen geschlossenen Raum fotografisch festhalten

Hast du dich schon mal gefragt, warum das Hotelzimmer in der Realität so viel kleiner wirkt als das tolle Foto, das auf der Website zu sehen war? Oder wie schaffst du es, deiner Familie, die am anderen Ende der Schweiz wohnt, die neue Wohnzimmereinrichtung abzulichten? Durch den begrenzten Platz und teilweise schwierige Lichtverhältnisse stellt das Fotografieren in Innenräumen eine echte Herausforderung dar. Mit der richtigen Ausrüstung und ein paar Tricks lassen sich jedoch auch geschlossenen Räume professionell festhalten.

Es gibt nicht nur Nachteile bei der Fotografie von Innenräumen. Der grosse Vorteil besteht darin, dass man wetterunabhängig ist und durch entsprechendes Equipment die Gegebenheiten der zu fotografierenden Situation gut anpassen kann.

Lichtstimmung wiedergeben

Aufnahmen, die mit Blitz geschossen werden, wirken oft klinisch und wenig einladend. Das Ziel ist, die im Raum vorherrschende Lichtstimmung auch auf dem Foto wiederzugeben. Dafür benötigst du längere Belichtungszeiten und ein Stativ oder eine andere stabile Auflagefläche für die Kamera. Den Blitz solltest du ausschalten, da er die Lichtstimmung zerstören würde und harte Schatten erzeugt. Eventuell kann ein indirekter Blitz (gegen Decke oder Wand gerichtet) zum Aufhellen des Raumes genutzt werden.

Viele Digitalkameras haben auch ein Motivprogramm speziell für Innenräume, das du über das Menü einstellen kannst.

Sofern du mit einem Stativ oder ähnlichem arbeitest, brauchst du keinen Bildstabilisator. Es empfiehlt sich jedoch, einen Fernauslöser zu nutzen oder den Selbstauslöser auf 2 Sekunden einzustellen, um nicht versehentlich beim Auslösen zu verwackeln. Eine lange Belichtungszeit ist beim Fotografieren von Räumen ideal, wenn der Raum nicht taghell erleuchtet ist.

Die Wartehalle eines alten Bahnhofs im schummrigen Licht ©Rene Gropp
Die Wartehalle eines alten Bahnhofs im schummrigen Licht ©Rene Gropp

Wenn du aus der Hand fotografieren möchtest, nutze den Bildstabilisator, der in fast jeder neueren Digitalkamera eingebaut ist. Nach Möglichkeit solltest du auch den ISO-Wert leicht erhöhen, um die Verschlusszeit zu verkürzen.

Belichtungsprobleme in Innenräumen können dadurch entstehen, dass einige Bereiche sehr dunkel und andere (z.B. Fenster) sehr hell sind. Die grossen Kontraste mit einem hohen Dynamikumfang können als stilistisches Mittel genutzt werden oder über Belichtungsreihen und das übereinanderlegen mehrerer Aufnahmen nachträglich erzeugt werden (HDR-Aufnahme).

Innenräume mit dem richtigen Objektiv fotografieren

Besonders in relativ kleinen Innenräumen eignen sich Weitwinkelobjektive sehr gut, da durch die engen Räume ein ausreichender Abstand zum Motiv oft nicht möglich ist. Die geringeren Brennweiten im Vergleich zu Standardobjektiven ermöglichen die Aufnahme grösserer Bildausschnitte. Dadurch wirken die Aufnahmen weiträumiger. Um eine Verzerrung zu vermeiden, die den Anschein erweckt, das Zimmer hätte schiefe Wände, sollte die Kamera gerade und senkrecht zum Mittelpunkt der gegenüberliegenden Wand ausgerichtet werden.

Für DSLR sind Weitwinkelobjektive ein bekanntes Equipment, es gibt jedoch auch für Smartphones Weitwinkel- sowie Fisheye-Objektive zum Aufsetzen. Dabei sollte man auf die Qualität der Linse und die Kompatibilität zum eigenen Smartphone achten, besonders niedrigpreisige Produkte schneiden in den Kundenbewertungen regelmässig schlecht ab.

Perspektive in Innenräumen

Der Standort, den man als Fotograf einnehmen kann, ist in einem Raum stark eingeschränkt. Für interessante Perspektiven und eine möglichst realistische Raumwiedergabe wird man oft direkt an einer Wand oder in einem Gang stehen müssen. Entferne störende Objekte aus deinem Motiv, indem du etwas umräumst oder einen veränderten Aufnahmestandpunkt einnimmst.

Bei rechteckigen Räumen bieten sich zwei Perspektiven an: du kannst dich mittig auf die Raumachse stellen und gen der gegenüberliegenden Wand fotografieren (Zentralperspektive). Besonders kleine Räume wirken dadurch aufgeräumt, ruhig und etwas dynamisch.

Aus Zentralperspektive fotografierte Stube
Aus Zentralperspektive fotografierte Stube

Alternativ kannst du diagonal oder in einem schrägen Winkel in den Raum fotografieren und sich dafür in eine Ecke stellen. Die Dynamik des Bildes erhöht sich dadurch, es entsteht eine grössere räumliche Tiefe. Andererseits kann diese Zweipunktperspektive – je nach Raum – zu einem unausgewogenen Bildaufbau führen.

In einem Innenraum aus der Ecke diagonal in Richtung Fensterfront fotografiert – dunklere und hellere Bildbereiche sind deutlich sichtbar ©Gundel Woite
In einem Innenraum aus der Ecke diagonal in Richtung Fensterfront fotografiert – dunklere und hellere Bildbereiche sind deutlich sichtbar ©Gundel Woite

Bei grossen Räumen oder gar Räumen, die sich über mehrere Etagen öffnen, hast du andere Möglichkeiten, kreative Perspektiven einzunehmen. So kannst du beispielsweise Büros, die über eine Galerie verfügen, von oben aufnehmen. Kirchen und grosse Hallen lassen sich meist nicht in einem Bild abbilden, sondern nur als Teilaufnahmen. Es bietet sich dabei an, mit der Richtung des Lichtes zu fotografieren, beispielsweise mit einem Fenster im Rücken, oder einfallendes Licht aus seitlichen Fenstern als Stilelement zu nutzen.

Aus Zentralperspektive fotografierte verlassene Werkhalle ©Lydia Hülle
Aus Zentralperspektive fotografierte verlassene Werkhalle ©Lydia Hülle

Details in Innenräumen festhalten

Die Details eines Raumes können interessante Akzente setzen. Achte auf die Besonderheiten des Raumes – Dekoration, Möbel, Textilien, aber auch Fenster, Türrahmen, Treppen und ähnliche Raumelemente können interessante Detailaufnahmen liefern. Spiele vielleicht auch ein wenig mit der Anordnung der beweglichen Details, um ein insgesamt harmonischeres Bild des Raumes zu erzeugen.Variiere deinen Blickwinkel und testen, welche Perspektive die beste ist. Je nach Lichtverhältnissen solltest du auch hier ein Stativ nutzen.

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