Femmes de la terre«, 1984-1989 © Monique Jacot / Fotostifung Schweiz

Femmes de la terre«, 1984-1989 ©
Monique Jacot / Fotostifung Schweiz

Monique Jacot

Nomadin auf den Spuren des Lebens

Seit Jahrzehnten gehört die 1934 geborene Schweizerin zu den wichtigsten Fotografen ihrer Generation.

Monique Jacot ist auf der Suche nach den Facetten des Lebens. Daher hat sie sich früh während ihrer 1956 beendeten Ausbildung an der renommierten Ecole des Arts et Métiers in Vevey von der Studiofotografie abgewandt, um ihren Sucher auf alltägliche Situationen, zufällige Begegnungen und einzigartige Szenen zu richten.

Intensive und poetische Fotografien

Für Jacot liegt der Reiz im Authentischen, dem Echten und Spontanen, nicht in den strengen, gezielt kalten Inszenierungen wie sie seinerzeit von der vorherrschenden Lehrmeinung der Neuen Sachlichkeit vermittelt wurde. Ihre intensiven und poetischen Fotografien überzeugten nicht nur die Redaktionen von arrivierten Schweizer Zeitschiften wie »Die Woche« oder »Annabelle«, die jeweils frische Erzeugnisse des noch jungen Bildjournalismus waren, sondern auch die von Modezeitschriften wie »Elle« oder »Vogue«.

Mit ihren Bildreportagen sowie einzigartigen Porträts von Persönlichkeiten wie Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Salvador Dali oder Jean Tinguely machte sie sich schnell einen Namen. Jacot bezeichnet sich als Nomadin, bereiste Länder wie Frankreich, England oder die USA. Für ihre Bildreportagen gab es in den 1960er und 1970er Jahren einen grossen Markt, denn die visuell ausgehungerte Nachkriegsgeneration gierte nach Bildern, die ihnen die weite Welt und das Leben ins Wohnzimmer holten. Bildjournalisten wie Monique Jacot fungierten hierbei als die internationalen Augen der Schweiz.

Einfühlsame Sozialreportagen

Besondere Anerkennung erfuhr Jacot für ihre einfühlsamen Sozialreportagen. Dabei richtete sie ihr Augenmerk auf die Themen Persönlichkeitsbildung, Lernprozesse und Weiterbildungsfragen. So entstanden Bildstrecken über die Weinlese, die Frauenbewegung, den Büroalltag oder schliesslich, wohl ihre berühmteste, eine Langzeitreportage über Schweizer Bäuerinnen – »Femmes de la terre«, 1984-1989.

Frauengemeinschaften sind im Werk Jacots ein wiederkehrendes Motiv. Mit emphatischem Blick geht sie der Frage nach den Lebensrealitäten der von ihr porträtierten Menschen nach. So auch in dem vorliegenden Foto, das 1985 in dem Dorf La Forclaz entstanden ist.

Die von wenigen Menschen bewohnte Siedlung liegt abgelegen in 1.700 Metern Höhe. Von dem überwiegend vom Wintersport geprägten Dorf hat man einen erhabenen Blick in das Eringertal im Kanton Wallis, das vor mindestens 10.000 Jahren durch die gewaltige Kraft des sich zurückziehenden Hérens-Gletschers geformt wurde.

Das Ich im Bilde

Jacot führt in ihrer Fotografie das Auge des Betrachters in das dicht bewaldete Tal, das flankiert von mächtiger Bergkulisse in der Ferne von einem mächtigen Gipfel gekrönt wird. Durch den Wechsel von Licht und Schatten zeigt sich ein faszinierendes Naturschauspiel. Im Vordergrund des Bildes sieht der Betrachter versetzt zwei für die Region typische Bauernhäuser, die mit einem traditionellen Schieferdach gedeckt sind.

Schiefer, ein extrem beständiger Naturstein, hat sich aufgrund seiner besonders hohen Witterungsbeständigkeit bis heute bewährt – immerhin müssen die Dächer über mehrere Monate im Jahr schwere Schichten Schnee tragen. Die verschiedentlich geformten Schieferplatten ergeben zusammen eine lebendige Textur, die das Dach wie einen alten verlebten Reptilienpanzer erscheinen lassen. Der tote Stein erlangt etwas Organisches.

Der Mensch und seine Lebensweise

Die Fotografie zeigt einen Lebensort, der mit seiner Holzchalet-Architektur seit Generationen eng mit der lokalen Natur und seinen Rohstoffen verwoben ist. Jacot legt ihren Blick auf den Menschen und seine Lebensweise, auf die Wechselwirkungen zwischen Mensch und seiner Umwelt. Neben der deskriptiven Komponente besteht eine Emotionale.

Berichtete Jacot doch einst, dass all ihre Bilder für sie auch immer ein Selbstporträt, eine jede Fotografie ein Puzzlestück ihrer Identitätssuche sei. Abbild der Umwelt als Wiedergabe ihrer Innenwelt. Es lohnt sich, Jacot auf ihrer fotografischen Reise ins Innere zu folgen.

 

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